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IHRE LETZTE AUSSAGE – SAMMY

Hannah hatte ihre Worte so oft vor dem Spiegel geübt, dass sie jedes Komma kannte. Trotzdem zitterten ihr die Knie, als sie vor der gesamten Oberstufe ans Rednerpult trat. In der Aula saßen Mitschülerinnen, Lehrer und einige Eltern. Hinter ihr stand Herr Berger, der stellvertretende Schulleiter.

Seine ruhige Anwesenheit sollte Sicherheit vermitteln, doch Hannah wusste, dass es heute nicht bei beruhigenden Worten bleiben durfte. Die Spuren eines Übergriffs waren unter ihrem Make-up noch zu erkennen. Wochenlang hatte sie Nachrichten, Drohungen und Demütigungen dokumentiert. Immer wieder hatte sie das Gespräch gesucht. Es gab Termine, Protokolle und Versprechen. Aber David und seine Freunde machten weiter.

David saß jetzt in der ersten Reihe, lässig zurückgelehnt, die Sportjacke offen. Er flüsterte etwas zu seinem Nachbarn, und beide grinsten. „Ich habe um Hilfe gebeten“, begann Hannah. Ihre Stimme brach. „Niemand hat zugehört.“ Ein paar Schülerinnen blickten betroffen auf ihre Hände. Hannah umklammerte die Holzkante des Pults. Sie wollte die Augen schließen und einfach verschwinden.

Doch dann dachte sie an ihren kleinen Bruder, der sie vor der Schule gefragt hatte, warum sie neuerdings Angst vor jedem Klingeln ihres Handys habe. „Aber heute hört ihr die Wahrheit“, sagte sie. Herr Berger nickte ihr zu. Auf einem Tisch lagen Ausdrucke der Beschwerden, die Hannah eingereicht hatte. Sie griff in die Tasche ihrer Jeansjacke und holte einen kleinen schwarzen Präsentationsklicker hervor. Niemand außer ihr und Herrn Berger wusste, was vorbereitet war.

Hannah zögerte einen Herzschlag lang. Dann drückte sie die rote Taste. Ein Geräusch erklang aus den Lautsprechern der Aula. Im Publikum rissen mehrere Jugendliche die Augen auf. Einige standen auf, andere starrten zu David hinüber. Sein Grinsen verschwand. Hannah drehte sich nicht zu ihm um. Sie sah die Erwachsenen an, denen sie schon so oft versucht hatte, die Wahrheit zu erklären. Heute würde sich zeigen, ob die Schule nur darauf wartete, dass ein Problem leise verschwand – oder ob sie wirklich bereit war, etwas zu verändern.

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