Nina hatte sich eingeredet, dass die Einladung ein Neuanfang sein könnte. Nach Monaten voller Sticheleien hatten ihre Mitschülerinnen sie zu einem Geburtstagspicknick im Park gebeten. Auf dem Holztisch stand ein kleiner Kuchen, die Kerzen brannten, jemand machte Fotos. Nina lächelte unsicher und beugte sich vor.

Dann spürte sie Hände an ihren Schultern. Sekunden später klebte ihr Gesicht in der Sahne. Die anderen lachten. Auf ihrer Stirn, in den Haaren und an den Wimpern hing weiße Creme. Nina richtete sich langsam auf. „Findet ihr das wirklich lustig?“, fragte sie. Niemand entschuldigte sich. Eine der Mädchen hielt sogar weiter ihr Handy hoch. Nina wischte sich die Augen frei. „Macht das nie wieder“, sagte sie, nahm ihre Tasche und ging. In der U-Bahn-Station wollte sie nur noch nach Hause.
Ihre Kleidung roch süß nach Sahne, und sie ärgerte sich darüber, dass sie der Einladung geglaubt hatte. Im Zwischengeschoss stellte sich ihr ein fremder Mann in den Weg. Er wurde laut und rückte bedrohlich näher. Nina wich zurück und bat ihn, sie vorbeizulassen. Als er plötzlich auf sie zuging, reagierte sie, um Abstand zu schaffen. Im Durcheinander stolperte der Mann. Nina lief nicht triumphierend davon, sondern wandte sich an das Stationspersonal. Am Abend ging sie trotzdem zum Kampfsporttraining. Ihr Trainer sah sofort, dass etwas nicht stimmte. Sie erzählte ihm vom Kuchen und von der Begegnung in der U-Bahn. Er hörte zu, ohne sie zu unterbrechen.
Dann führte er sie auf die Matten. „Selbstbewusstsein bedeutet nicht, dass du kämpfen musst“, sagte er. „Es bedeutet auch, rechtzeitig wegzugehen und Hilfe zu holen.“ Sie übten kontrollierte Bewegungen, sicheres Fallen und das Bewahren von Abstand. Am Ende der Einheit saß ihr Trainer nach einer harmlosen Übung auf der Matte und nickte zufrieden. Nina atmete tief durch. Sie war nicht plötzlich unverwundbar.
Sie hatte noch immer Angst und war wütend. Aber sie wusste jetzt, dass andere Menschen nicht über ihren Wert entscheiden durften. Der Kuchenstreich würde im Internet bleiben. Was Nina daraus machte, gehörte allein ihr.