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DER ZERSTÖRTE LAPTOP – SAMMY

Amira hatte fast den ganzen Vormittag in der Schulbibliothek gesessen. Ihre Facharbeit über Stadtklima war endlich fertig, nur das letzte Literaturverzeichnis fehlte noch. Sie arbeitete auf einem gebrauchten Laptop, den ihr Vater mühsam für sie repariert hatte. Deshalb bemerkte sie zunächst nicht, dass Lena neben ihrem Tisch stehen blieb.

Erst als ein Schatten auf die Tastatur fiel, blickte sie auf. Lena lächelte. Dieses Lächeln kannte Amira aus der Klassengruppe, aus den Pausen und von den vielen Situationen, in denen plötzlich niemand etwas gesehen haben wollte. In ihrer Hand hielt Lena eine offene Dose Cola. Bevor Amira den Laptop wegziehen konnte, kippte sie das Getränk über die Tastatur. Braune Flüssigkeit lief über die Tasten und auf die sorgfältig sortierten Notizen.

„Ups“, sagte Lena, „war das deine Facharbeit?“ Einige Schülerinnen und Schüler drehten sich um. Amira starrte auf den flackernden Bildschirm, bis er schwarz wurde. Sie dachte an ihre Interviews, ihre Diagramme und die Abende, an denen ihr Vater noch das Licht im Wohnzimmer hatte brennen lassen, damit sie weiterarbeiten konnte. „Da steckt ein halbes Jahr Arbeit drin“, sagte sie leise. Lena zuckte mit den Schultern. „Dann schreib sie eben noch mal.“

Als Amira aufstand, trat Lena näher und versuchte, sie einzuschüchtern. Ein Stuhl scharrte über den Boden. Amira wich zurück und hob schützend die Hände. In der hastigen Bewegung verlor Lena das Gleichgewicht. Plötzlich saß sie auf dem Boden und schaute die anderen ungläubig an. Amira blieb am Tisch stehen, nahm ein Taschentuch und wischte ihre Finger sauber. Sie wollte keinen Streit gewinnen. Sie wollte, dass jemand endlich Verantwortung übernahm.

„Ihr habt alle gesehen, was passiert ist“, sagte sie. Ein Schüler am Fenster nickte und zeigte sein Handy. Er hatte den Anfang gefilmt, nicht nur das Ende. Amira wusste noch immer nicht, ob sich ihre Daten retten ließen. Aber sie war nicht mehr allein mit ihrer Aussage. Als die Bibliothekarin herbeieilte, sprach zum ersten Mal nicht Lena zuerst. Es waren die Zeugen.

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