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FRAU AUS DEM SCHWARZEN WAGEN – SAMMY

Greta hatte nie verstanden, warum Saskia für jede Gemeinheit Zuschauer brauchte. Saskia war Kapitänin der Schulmannschaft, hatte Hunderte Follower und konnte mit einem einzigen Blick dafür sorgen, dass die anderen mitlachten. An diesem Nachmittag erwischte sie Greta hinter dem Sportplatz, wo der Kiesweg zum Fahrradständer führte.

Die meisten Lehrkräfte waren bereits im Gebäude. Ein Ruck am Rucksack genügte, damit Greta das Gleichgewicht verlor und sich auf dem Boden wiederfand. Drei Jugendliche stellten sich im Halbkreis auf und hoben die Handys. Saskia setzte einen weißen Sneaker auf Gretas leere Tasche. „Schau mich an, wenn ich mit dir rede“, sagte sie. Greta blickte zu ihr auf. Ihre Hände zitterten. Als sie sich aufrichten wollte, griff Saskia nach dem Stoff ihres Hoodies und beugte sich dicht zu ihr herunter.

„Bitte, lass mich“, flüsterte Greta. In ihrem Kopf liefen schon die Kommentare ab, die später unter dem Video stehen würden. Sie wusste, wie schnell aus Angst ein Witz werden konnte, wenn jemand nur die richtigen Sekunden herausschnitt. Seit Wochen hatte sie versucht, sich zu wehren. Ihre Nachrichten an die Vertrauenslehrerin waren höflich beantwortet worden, doch die Einschüchterungen hörten nicht auf. Da hielt hinter dem Zaun ein schwarzer Wagen.

Die Tür ging auf, und eine Frau in einem dunklen Hosenanzug stieg aus. Es war Gretas Tante, die an diesem Tag zugesagt hatte, sie vom Training abzuholen. Sie arbeitete als Rechtsanwältin, aber noch wichtiger war, dass sie Gretas verzweifelte Sprachnachricht vom Mittag nicht ignoriert hatte. Die Frau ging direkt auf die Gruppe zu. „Nimm sofort die Hände von ihr!“, rief sie. Die ersten Handys sanken. Saskia drehte sich um, ihr selbstsicheres Lächeln verschwand.

Gretas Tante kniete sich neben sie und fragte ruhig, ob sie verletzt sei. Greta schüttelte den Kopf, dann begann sie zu weinen. Nicht, weil sie verloren hatte, sondern weil endlich jemand da war. Am nächsten Morgen würde es ein Gespräch mit der Schulleitung geben. Diesmal lagen nicht nur Gretas Aussagen vor, sondern auch Aufnahmen und mehrere Zeugen. Zum ersten Mal musste nicht Greta erklären, warum sie Angst hatte. Saskia musste erklären, warum sie ihr diese Angst gemacht hatte.

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