Posted in

Die Frau in Schwarz – SAMMY

Vanessa hatte Emma vor fast fünfzig Gästen auf den Boden gedrängt, als die schwarzen SUVs vorfuhren. Bis zu diesem Moment hatten alle gelacht. Doch als eine Frau in einem langen schwarzen Mantel den Festsaal betrat, wurde es vollkommen still. Emma Winter war neunzehn und besuchte ein privates Berufskolleg in Düsseldorf. Sie war nicht besonders beliebt.

Sie trug einfache Kleider, ging selten auf Partys und verbrachte ihre Freizeit lieber in der Bibliothek. Vanessa, die selbstbewusste Leiterin der schulischen Tanzgruppe, hatte sie deshalb immer für ein leichtes Opfer gehalten. An diesem Nachmittag veranstaltete die Schule einen Wohltätigkeitsempfang. Die Tische waren mit weißen Tischdecken, Blumen und kleinen Kuchen dekoriert. Emma hatte sich freiwillig gemeldet, um den Organisatoren zu helfen.

Sie trug gerade ein Tablett mit leeren Bechern, als Vanessa sich ihr in den Weg stellte. „Na, wo willst du denn hin?“ Emma versuchte, an ihr vorbeizugehen. „Bitte, ich muss arbeiten.“ Doch Vanessa lachte und versperrte ihr den Weg. Wenige Augenblicke später lag Emma auf dem Boden und versuchte, wieder aufzustehen. Mehrere Mädchen in passenden bordeauxroten Sportjacken hoben ihre Smartphones. Vanessa beugte sich über Emma. „Schau mal! Alle lachen über dich!“

Emma bedeckte ihr Gesicht mit den Händen. Sie konnte nicht verstehen, warum so viele Erwachsene zusahen, ohne einzugreifen. Dann hörte man draußen eine Autotür zuschlagen. Drei schwarze SUVs hatten vor dem Eingang gehalten. Eine Frau mit dunkelbraunen Haaren stieg aus dem ersten Wagen. Sie trug einen eleganten schwarzen Mantel und hielt eine Dokumentenmappe aus Leder in der Hand. Ihr Name war Dr. Katharina Winter. Sie war eine angesehene Geschäftsfrau und gehörte dem Vorstand der Stiftung an, die den Wohltätigkeitsempfang organisierte.

Doch vor allem war sie Emmas Mutter. Katharina betrat den Saal und bemerkte sofort ihre Tochter auf dem Boden. Ihr Gesichtsausdruck veränderte sich schlagartig. „Emma?“ Vanessa drehte sich um. Als sie die Frau näher kommen sah, stand sie langsam auf. „Frau Dr. Winter, ich kann das erklären.“ Katharina beachtete sie nicht und kniete sich neben Emma. „Bist du verletzt?“ Emma schüttelte den Kopf. Tränen liefen über ihre Wangen. Ihre Mutter half ihr behutsam auf die Beine. Dann wandte sie sich an die Gäste. „Hat irgendjemand versucht, ihr zu helfen?“

Niemand antwortete. Mehrere Menschen senkten ihre Smartphones. Katharina blickte zu dem Organisator, der neben dem Haupttisch stand. „Ich glaube, wir müssen dringend darüber sprechen, welches Verhalten diese Einrichtung bisher geduldet hat.“ Der Organisator nickte nervös. Vanessa starrte auf den Boden. Dann öffnete Katharina die Dokumentenmappe, die sie aus dem Auto mitgebracht hatte. Darin befanden sich mehrere schriftliche Beschwerden über Schikanen und Mobbing unter Schülern. Und ein Name tauchte in diesen Unterlagen immer wieder auf. Vanessa.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *