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Die 400 Stunden – Sammy

„Entschuldigung, aber das Reinigungspersonal soll doch hinten sitzen!“
Frau König musterte Aylins dunkelblaue Arbeitskleidung und deutete auf die letzten Stuhlreihen des Festsaals.
Aylin Demir war vierundzwanzig und arbeitete als Reinigungskraft in einem Münchner Klinikum. Sie war an diesem Abend direkt nach ihrer Schicht zu einer Veranstaltung gekommen.
Für einen Kleiderwechsel hatte die Zeit nicht gereicht.
Deshalb trug sie noch ihre Arbeitskleidung. Auf ihrem Schoß lagen ihre gelben Reinigungshandschuhe.
Frau König, eine Mitarbeiterin der Klinikverwaltung, schüttelte den Kopf.
„Heute kommen wichtige Gäste. Sie sollten hier nicht auffallen.“

Aylin antwortete leise:
„Ich habe eine Einladung bekommen.“
Frau König lachte ungläubig.
„Sie? Zu dieser Veranstaltung?“
Was sie nicht wusste: Aylin arbeitete nicht nur im Reinigungsteam.
Seit über einem Jahr verbrachte sie ihre freien Wochenenden damit, einsame Patienten zu besuchen, älteren Menschen vorzulesen und schwer kranken Kindern bei ihren Schulaufgaben zu helfen.
Niemand hatte sie darum gebeten.
Sie tat es, weil ihre eigene Großmutter vor drei Jahren wochenlang allein im Krankenhaus gelegen hatte.
Damals hatte Aylin versprochen, dass sich andere Menschen nicht so verlassen fühlen sollten.
Inzwischen hatte sie genau vierhundert Stunden ehrenamtliche Arbeit geleistet.
Als Frau König erneut verlangte, dass sie ihren Platz verließ, zeigte Aylin ihr vorsichtig den Ausweis.
Darauf stand: „400 Ehrenamtsstunden“.
Doch Frau König winkte nur ab.
„Das kann doch jeder behaupten.“
Plötzlich ertönte eine Stimme aus den Lautsprechern.
„Meine Damen und Herren, heute ehren wir eine außergewöhnliche junge Frau.“
Die Klinikdirektorin stand am Rednerpult.
„Sie hat vierhundert Stunden ihrer Freizeit für Menschen gegeben, die sonst niemanden hatten.“
Der Saal wurde still.
„Bitte begrüßen Sie Aylin Demir!“
Applaus brach aus.
Frau König erstarrte.
Aylin stand langsam auf. Ihre Augen füllten sich mit Tränen.
Als sie zur Bühne ging, erhoben sich mehrere Menschen aus dem Publikum.
Es waren ehemalige Patienten, die extra gekommen waren, um sich persönlich bei ihr zu bedanken.
Doch die größte Überraschung wartete noch auf der Bühne.
Die Direktorin hielt einen Umschlag in der Hand.
Darin befand sich nicht nur eine Urkunde.
Sondern ein Angebot, das Aylins Zukunft für immer verändern würde.

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