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Der verschwundene Schuh – SAMMY

Vanessa glaubte, es wäre nur ein weiterer lustiger Streich, Gretas Schuh in den Mülleimer zu werfen. Doch als Greta wenig später mit einem rosafarbenen Smartphone vor ihr stand und ein Foto zeigte, verschwand Vanessas Lächeln sofort. Greta war neunzehn und besuchte ein Berufskolleg in Hamburg. Sie trug eine große schwarze Brille, hatte ihre braunen Haare zu zwei Zöpfen geflochten und litt unter Akne, die ihr Selbstbewusstsein stark beeinträchtigte.

Vanessa machte sich seit Monaten über ihr Aussehen lustig. An diesem Morgen beschloss sie, noch einen Schritt weiterzugehen. Während Greta sich nach dem Sportunterricht umzog, nahm Vanessa einen ihrer beigefarbenen Turnschuhe und trug ihn zum Abfallbehälter. Ihre Freundinnen filmten alles. „Vielleicht gehören deine hässlichen Schuhe genau hierhin!“, lachte Vanessa. Greta stand neben den blauen Schließfächern. Ihr Gesicht brannte vor Scham.

Doch diesmal wollte sie nicht weinen. Stattdessen ging sie zum Sicherheitsdienst und fragte, ob die Kamera beim Recyclingbereich etwas aufgezeichnet hatte. Zur Mittagszeit bekam sie eine Antwort. Die Kamera hatte deutlich gezeigt, wie Vanessa den fehlenden Schuh wegtrug. Außerdem erhielt Greta ein Foto, auf dem zu erkennen war, wo der Schuh gelandet war. Als sie Vanessa damit konfrontierte, brach die blonde Schülerin in Gelächter aus.

„Glaubst du ernsthaft, dass dir irgendjemand glaubt?“ Greta nahm ihr Smartphone aus der Tasche. „Eigentlich brauche ich das gar nicht.“ Sie zeigte Vanessa die Bilder. Diese erstarrte. Auf dem Bildschirm war nicht nur der Schuh zu sehen. Im Hintergrund spiegelte sich auch ein Schüler, der sein Handy hochhielt. Es war einer von Vanessas engsten Freunden. Und die ursprüngliche Aufnahme war bereits an mehrere Mitschüler weitergeleitet worden. Vanessa sah sich nervös um. Greta sprach ruhig weiter. „Monatelang habe ich geglaubt, ich müsste mich für mein Aussehen schämen. Aber ich bin nicht diejenige, die sich schämen sollte.“ Zum ersten Mal wusste Vanessa nichts zu erwidern.

Am Nachmittag übergab Greta alle Beweise einer Vertrauenslehrerin. Doch bevor das Gespräch beendet war, öffnete die Lehrerin einen weiteren Bericht. Darin befanden sich Beschwerden von vier Schülern, die im selben Flur ebenfalls schikaniert worden waren. Greta begriff, dass ihr verschwundener Schuh etwas viel Größeres aufgedeckt hatte. Und diesmal würde sie nicht länger schweigen.

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