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Der Anruf – Sammy

„Ruf doch deinen Papa an! Vielleicht kommt er ja und rettet dich!“
Marco lachte, während Felix mit dem Rücken gegen die kalten Fliesen der Schultoilette stand. Zwei seiner Freunde beobachteten die Szene und grinsten.
Felix Weber war neunzehn und besuchte ein Berufskolleg in Frankfurt. Er war ruhig, trug einfache Kleidung und hatte sich nie für die Beliebtheit anderer interessiert.
Genau deshalb hatte Marco ihn seit Wochen im Visier.
Er verspottete Felix vor seinen Mitschülern, versteckte seine Sachen und drohte ihm jedes Mal, wenn sie allein waren.
An diesem Morgen hatte Marco ihn bis zur Toilette verfolgt.
„Na los, Felix! Sag doch endlich was!“

 

Felix antwortete nicht.
Als Marco schließlich verschwand, setzte sich Felix neben eine Kabinentür und holte sein Handy heraus.
Mit zitternden Fingern wählte er eine Nummer.
„Bitte komm“, flüsterte er. „Ich halte das nicht mehr aus.“
Am anderen Ende blieb es kurz still.
Dann antwortete eine tiefe Männerstimme:
„Bleib, wo du bist. Ich bin unterwegs.“
Sieben Minuten später hielt ein schwarzer Mercedes vor der Schule.
Ein groß gewachsener Mann in einem dunklen Anzug stieg aus. Zwei Mitarbeiter folgten ihm durch die gläsernen Eingangstüren.
Es war Dr. Adrian Weber.
Was niemand wusste: Felix hatte jahrelang darauf bestanden, dass sein Vater sich nicht in seinen Schulalltag einmischte.
Adrian war ein erfolgreicher Rechtsanwalt, der eine große Kanzlei leitete. Felix wollte wie jeder andere Schüler behandelt werden.
Doch heute hatte er endlich um Hilfe gebeten.
Die Schulleiterin, Frau Berger, sah den Mann auf sich zukommen.
Ihr Gesicht wurde kreidebleich.
„Herr Dr. Weber? Wir wussten nicht, dass Sie kommen!“
Adrian blieb vor ihr stehen.
„Mein Sohn sitzt weinend in Ihrer Schule. Seit Wochen wird er eingeschüchtert. Und niemand hat etwas unternommen.“
Frau Berger öffnete den Mund, brachte aber kein Wort heraus.
Adrian legte mehrere Ausdrucke auf ihren Schreibtisch.
Es waren Nachrichten, die Felix ihm während der vergangenen Wochen geschickt hatte.
Doch das letzte Dokument enthielt etwas, womit selbst die Schulleiterin nicht gerechnet hatte.
Eine schriftliche Beschwerde, die Felix bereits vor drei Wochen eingereicht hatte.
Und darunter stand eine Unterschrift.
Es war ihre eigene.

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