Paula hatte sich für ihren Geburtstag nur einen einzigen Kuchen gewünscht. Doch eine Mitschülerin verwandelte ihre kleine Feier in einen Moment, den sie am liebsten für immer vergessen hätte.
Die neunzehnjährige Paula besuchte ein Berufskolleg in Hannover. Sie war ruhig, trug eine Brille und hatte nie zu den beliebten Mädchen gehört.
Ihre beste Freundin Nia war das genaue Gegenteil: selbstbewusst, direkt und immer bereit, Paula zu unterstützen.

An diesem Nachmittag saßen beide im Innenhof der Schule.
Auf dem Tisch stand ein kleiner Geburtstagskuchen mit einer Kerze.
„Na los, Geburtstagskind!“, sagte Nia. „Wünsch dir was!“
Paula lächelte und schloss die Augen.
Da tauchte Charlotte auf.
Charlotte war dafür bekannt, andere öffentlich bloßzustellen. Ihre Freundinnen folgten ihr, einige bereits mit gezückten Handys.
„Oh, wie süß! Eine Party für zwei Leute!“, rief Charlotte.
Bevor Paula etwas erwidern konnte, war ihr Kuchen zerstört. Creme klebte an ihrer Wange, und die Kerze lag auf dem Tisch.
Charlotte brach in Gelächter aus.
„Schaut euch ihr Gesicht an!“
Paula starrte auf den zerdrückten Kuchen. Ihre Lippen zitterten.
Nia stand langsam auf.
„Charlotte. Das war’s.“
Charlotte grinste. „Beruhig dich. War doch nur ein Witz.“
„Ein Witz ist nur lustig, wenn alle lachen.“
Nia ging um die Bank herum und stellte sich vor Charlotte.
Diese trat herausfordernd näher, verlor dann beim Zurückweichen die Balance und setzte sich unsanft ins Gras.
Die anderen Schülerinnen verstummten.
Doch Nia kümmerte sich nicht mehr um Charlotte.
Sie ging zurück zu Paula und reichte ihr eine Serviette.
„Komm. Wir machen das wieder gut.“
Erst jetzt erzählte Paula ihr, dass sie am Morgen erfahren hatte, dass ihr Antrag auf finanzielle Unterstützung abgelehnt worden war.
Sie hatte eigentlich den ganzen Tag weinen wollen.
Nia setzte sich neben sie.
„Dann machen wir eben morgen noch mal Geburtstag.“
Was die beiden nicht bemerkten: Mehrere Mitschüler hatten das Gespräch gehört.
Am Abend erhielt Paula eine Nachricht in ihrer Klassengruppe.
„Morgen, 15 Uhr. Komm bitte in Raum 204.“
Als sie am nächsten Tag die Tür öffnete, traute sie ihren Augen kaum.
Der Raum war voller Luftballons, selbst gebackener Kuchen und Menschen, die gekommen waren, um ihr zu zeigen, dass sie dazugehört.